Im Stollen

Mit 91 Jahren noch unter Tage – Besuch der Grube Günnersdorf in Mechernich

Heute, am 20.07.2015, besuchen wir das Bergbaumuseum in Mechernich. Zum Museum gehören Ausstellungsräume, die die unterschiedlichsten Exponate mit Bezug zum Bleibergwerk beherbergen und natürlich die Grube Günnersdorf.
Vortrag von Günter Niessen
Vortrag von Günter Niessen

Unser Bergwerksführer, Günter Nießen, erklärt uns in seiner lockeren, humorvollen Art, dass man unter Tage „Kumpel“ ist und sich somit grundsätzlich geduzt wird. Unser ältestes Mitglied, Frau Höppner, ist mit ihren fast 92 Jahren mit von der Partie. Auch sie wird natürlich geduzt. „Herrlich!“ hört man Frau Höppner immer wieder sagen, wenn Günter wieder einen seiner Jokes macht.

Günter ist hochkompetent und wir lernen viel über den Bergbau. Speziell natürlich über den Bleiabbau in Mechernich.

Kelten und Römer haben bereits in Mechernich Blei abgebaut. „Woher wussten die, dass sich unter der Erde Blei verbirgt?“ fragt Günter uns und gibt die Antwort selber: „An der Grasnelke. Wo diese Pflanze wächst, ist die Erde voller Erz.“

3D-Modell der Grube
3D-Modell der Grube

An einem dreidimensionalen Modell erklärt uns Günni die Dimensionen der Grube Günnidorf ääh – Günnersdorf. Auf einem wertvollen Gemälde wird der Mechernicher Bleiabbau (Tagebau) im 19. Jh. anschaulich dargestellt.

Bleigewinnung im 19ten Jahrhundert
Bleigewinnung im 19ten Jahrhundert

 

Bleiknotten im Sandstein
Bleiknotten im Sandstein

Günter hebt einen Sandstein mit kleinen, punktförmigen Einschlüssen (Bleiknotten) hoch und demonstriert damit den geringen Bleigehalt im Gestein, der die Bleigewinnung so aufwändig machte. In den 1950er-Jahren wurde es billiger, das Blei zu importieren, statt es selbst abzubauen. Das führte im Jahr 1957 zur Schließung der Grube, obwohl seit diesem Zeitpunkt noch immer rund 5% des gesamten Weltvorkommens an Blei im Mechernicher Gebiet ungenutzt im Boden liegen. Wegen des weltweiten Bleiabbaus ist der prozentuale Anteil heute natürlich noch höher.

Dachverkleidungsteil des Kölner Doms
Dachverkleidungsteil des Kölner Doms

Nachdem Günter uns ein originales Teil vom Blei-Dach des Kölner Doms zeigt, geht es in die Grube. „Einfahren“ nennt das der Bergmann, auch wenn es zu Fuß hinunter geht. Vorher müssen wir allerdings Schutzhelme anziehen. Und Jacken, denn es ist in der Grube sehr kühl.

An der Helmkammer
An der Helmkammer
Mundloch (Grubeneingang)
Mundloch (Grubeneingang)

 

 

 

 

 

 

 

Bei der Hl. Barbara
Bei der Hl. Barbara

Vorbei geht es an der Hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Wir lernen die verschiedenen Bauweisen der Türstöcke kennen: Den aufwändigen deutschen Türstock, der den Druck sowohl von oben als auch von der Seite abfängt und den weniger aufwändigen polnischen Türstock, der verwendet wird, wenn Druck nur von oben erwartet wird.

Deutscher Türstock
Deutscher Türstock
Polnischer Türstock
Polnischer Türstock
Quiztafel für die Kindergruppen
Quiztafel für die Kindergruppen

Für Kindergruppen sind an der Wand Tafeln mit Quiz-Fragen angebracht. Hinter Plexiglas geschützt befindet sich im Gestein ein Streifen aus dem Halbedelstein Aquamarin.

Aquamarin
Aquamarin

Auffällig sind die kugelförmigen braunen Stellen im Gestein: Manganknollen. Ein Vogelkäfig mit einem Plastik-Wellensittich erinnert daran, dass Kanarienvögel zur Anzeige von drohendem Sauerstoffmangel verwendet wurden. Sie sind empfindlicher gegen Sauerstoffmangel (benötigen mehr Sauerstoff) als der Mensch. Übrigens ist die Luft im Bergwerk hervorragend. Besonders auch für Allergiker. Pollenflug gibt es hier unten nicht.

Manganknollen
Manganknollen

 

Sauerstofftester
Sauerstofftester

 

 

 

 

 

 

In den meisten Stollen-Abschnitten können auch 1,85-Meter-Leute noch aufrecht gehen. Aber durch manche Streckenabschnitte kommt man nur in mehr oder weniger gebückter Haltung. Ab und zu ertönt ein trockenes „Tok“ – das Zeichen dafür, dass wieder einer aus unserer Gruppe sich nicht tief und schnell genug gebückt hat. So lernen wir am praktischen Beispiel, wie wichtig die Helme sind, die wir zu Beginn aufziehen mussten.

Gezähre
Gezähre

In einer Nische steht ein Wagen mit verschiedenen Geräten. „Gezähre“ sagt der Bergmann zu seinem Werkzeug.

 

 

Hund
Hund

Die Loren, in denen das abgebaute Material transportiert wurde, nennt man „Hunte“ bzw. „Hunde“. Bergleute, die etwas auf dem Kerbholz hatten, mussten diese Hunde ziehen. Daher soll das Sprichwort „Vor die Hunde gehen“ kommen.

Mehrere steile Treppen müssen wir überwinden. Allerdings haben wir die Zusage, dass wir diese Leitern nicht wieder hinunter müssen. Bis auf eine, die direkt in eine große Halle führt. Und die steilste Leiter brauchen wir glücklicherweise nicht erklimmen. Sie führt senkrecht fast 30 Meter in die Höhe und ist der Notausstieg im Rettungsschacht.

Notausstieg
Notausstieg

 

In der Halle
In der Halle

Diejenigen, die den Aufstieg zur großen Halle mitgemacht haben, werden mit einem grandiosen Anblick belohnt. Die Blitzlichter der Kameras können die riesige Halle leider nicht ausleuchten. Überall an Wand und Decke sind die Manganknollen zu sehen. Eine Art Hinkelstein lehnt an einer Wand. „Der ist aus Pappe!“ klärt uns Günter auf. „RTL dreht hier öfter, z.B. ‚Cobra11‘ oder auch ‚Das Bernsteinzimmer‘. Aus letzterer Produktion stammt der Hinkelstein.“

In der Halle
In der Halle
Hinkelstein aus "Das Bernsteinzimmer"
Hinkelstein aus „Das Bernsteinzimmer“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geldstücke im Lehm
Geldstücke im Lehm

Die Grube Günnersdorf wurde nach dem 2. Weltkrieg (wo sie übrigens der Bevölkerung als Schutzräumlichkeit diente) mit Schlamm verfüllt. In mühevoller Arbeit wurde später die Sohle 1 vom Schlamm befreit. Dazu gehört auch die große Halle. An der Wand befinden sich teilweise noch Reste des Schlamms. Einige Besucher haben Geldstücke an die Wand geworfen, die im Schlamm stecken geblieben sind.

Gips zur Feststellung von Bergbewegungen
Gips zur Feststellung von Bergbewegungen

Über einem Spalt sehen wir einen hellen Fleck: Gips, den die Bergbauaufsichtsbehörde dort angebracht hat. Eventuelle Bergbewegungen kann man dann an der unterbrochenen Gipsschicht erkennen. Wir sind beruhigt, dass der Gipsfleck unversehrt ist.

Günter führt uns sicher wieder an die Erdoberfläche. Eine tolle Führung hat er in den ca. 2,5 Stunden abgeliefert. Unseren Beifall hat er sich wirklich verdient.

Günter in seinem Element
Günter in seinem Element

Unseren Beifall hat auch Frau Höppner verdient, die mit ihren 91 Lebensjahren die Untertage-Tour hervorragend durchgehalten und die Informationen mit hellem Verstand aufgesogen hat!

Im Stollen
Im Stollen

So eine Grubenbesichtigung macht hungrig. Im Steakhaus „Zagreb“ in Mechernich-Roggendorf stillen wir den gröbsten Hunger mit einem leckeren 300-Gramm-Rib-Eye (inkl. Folienkartoffel und Salat-Buffet), gebratener Leber und anderen Kleinigkeiten.

Hier geht es zur Bildergalerie der Grubenbesichtigung: Bilder vom Besuch der Grube Günnersdorf in Mechernich

Hier noch einige Links für weitere Informationen zur Grube Günnersdorf:

http://www.bergbaumuseum-mechernich.de/

http://hoss.homepage.t-online.de/referat_in.htm

 

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4 Gedanken zu „Mit 91 Jahren noch unter Tage – Besuch der Grube Günnersdorf in Mechernich“

    1. Lieber Grubenführer Günter,
      vielen Dank für deinen Gästebucheintrag hier, auf unserer Website! Schön, dass dir der Artikel über die Grube Günnersdorf so gut gefallen hat. Deine Führung war aber auch klasse!
      Deine Grüße werde ich gerne an die Teilnehmer weiterleiten.
      Ein herzliches „Glück Auf!“ wünscht dir
      Ronald

  1. Schöner Ausflug, sehr schön präsentiert(wie immer), aber mich hätte da niemand reingekriegt. Aber es ist auch so schon sehr interessant, sich die Bilder anzuschauen. Gut gemacht Herr Fotograf. (Leider bist du nie auf irgendeines der Fotos zu sehen). Schade
    LG Heidi

    1. Hallo Heidi,
      lieben Dank für deinen Kommentar!
      Kann ich mir vorstellen, dass das nichts für dich wäre. War allerdings gar nicht so schlimm.
      Liebe Grüße an dich und Chris
      Ronald

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